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7. September 2021

Wasser – ein Schlüsselthema für unsere Zukunft

Schladen, Wolfenbüttel und Königslutter am Elm 6.09.2021

Am vergangenen Samstag fand im DGH Schladen das Symposium „Zukunftskonzept Nachhaltiges Wassermanagement“ statt, eine gemeinsame Informationsveranstaltung des UNESCO Geoparks Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen und des Landkreises Wolfenbüttel. Aufgrund der Corona-Situation konnten nur 50 Personen teilnehmen, darunter Bürgermeister und weitere Vertreter*innen der kommunalen Verwaltungen.

Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister der Gemeinde Schladen-Werla Andreas Memmert, eröffnete Landrätin und Vorsitzende des Geopark-Trägervereins Christiana Steinbrügge die Veranstaltung.

In einem Video-Grußwort begrüßte Umweltminister Olaf Lies, die regionale Initiative ausdrücklich und betonte, dass Wassermanagement nur gemeinsam zu gestalten sei.   

Durch das Programm führte der Geograph und Bodenkundler Prof. emer. Dr. Heiko Diestel, TU Berlin.

Der erste Impulsvortrag von Dr. Jörg Elbracht vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie Niedersachsen informierte unter der Überschrift „Wird das Wasser knapp?“ über den Wasserbedarf und -verfügbarkeit heute und in Zukunft. Er berichtete, dass die Gesamt-Niederschlagsmenge in den vergangenen Jahren regelmäßig zugenommen hat, aber die jahreszeitlichen Schwankungen und regionalen Unterschiede sich deutlich verstärkt haben und weiter verstärken werden. Die Haupt-Niederschlagsmonate haben sich durch den Klimawandel vom Frühsommer in den Winter verlagert.

Maik Uhlen, Abteilungsleiter Wasserwirtschaft der Harzwasserwerke, referierte über die Herausforderungen des Klimawandels für seinen Betrieb. Die größeren Schwankungen der Regenmengen bis hin zu katastrophalem Starkregen erfordern einen überlegten Umgang mit dem Füllstand der Talsperren. Andererseits konnten in regenarmen Zeiten nur durch Umpumpen zwischen den Talsperren Ausfälle in der Wasserversorgung vermieden werden. Er prognostizierte, dass der Wasserverbrauch in Dürrezeiten eingeschränkt werden müsse und zum Beispiel über höhere Preise in bestimmten Zeiten erreicht werden könne. Zudem müssen weitere Baumaßnahmen zur Gewinnung von Regenwasser angegangen werden.

Dr. Nataliya Stupak vom Thünen Institut in Braunschweig informierte über die Herausforderungen für die Bewässerung landwirtschaftlicher Nutzflächen. Um auskömmliche Ernten zu erzielen, werden immer mehr Landwirte gezwungen sein, ihre Flächen zu bewässern. Die Fehlernten durch Starkregen und Dürren der vergangenen Jahre haben viele Betriebe außerordentlich stark belastet. Wenn nun die Kosten für eine regelmäßige Bewässerung hinzukommen, lässt sich Getreide bei den heute üblichen Preisen nicht mehr wirtschaftlich anbauen. Auch die Vorreiterrolle Niedersachsens im Bereich der Bewässerung helfe bei diesem grundsätzlichen Problem nicht.

Nach der kritischen Bestandsaufnahme war es dann Zeit für die Skizzierung von Lösungen und Auswegen: Ina Küddelsmann (Aquascop, Vögelsen) stellte unter dem Titel „Blueing” eine neue Art des nachhaltigen Wassermanagements nach dem Vorbild der Natur vor. Sie wies darauf hin, dass bei der Betrachtung des Klimawandels in der Regel die Bedeutung des Wasserhaushaltes viel zu wenig Beachtung findet. Das verschließe den Blick auf mögliche Maßnahmen gegen den Klimawandel jenseits der Diskussionen um Co2-Bepreisung und E-Mobilität. Ihre Kernthese besagt, dass durch eine intelligente Nutzung der Landschaft und des städtischen Raumes sehr viel mehr Wasser im Boden- und Vegetationsbereich gehalten werde und die Temperaturschwankungen dadurch deutlich niedriger bleiben. Es sei dadurch im Sommer kühler und im Winter wärmer.

Untermauert wurde diese These durch einen Blick auf zahlreiche Wärmebilder von Landschaften, die wie bei einer Fiebermessung anzeigen, welche Gebiete überhitzt und welche mäßiger temperiert sind. Veränderungen ließen sich durch die Verwendung dieser Messtechnik beispielsweise durch Satelliten überprüfen, was für die Akzeptanz von Maßnahmen wichtig sei. Natürlich könne man nicht ganze Regionen von heute auf morgen umkrempeln, aber Pilotprojekte z.B. rings um einen definierten Flussabschnitt seien schnell umsetzbar und könnten als gutes Beispiel ausstrahlen. Küddelsmann regte an, den Geopark, zu einer Modellregion für das „Blueing“ zu entwickeln.

Zur folgenden Podiumsdiskussion unter dem Motto „Machen ist wie wollen nur krasser! Was können wir zur Nachhaltigkeit beitragen?“ stießen zu den Referent*innen Gerhard Schwetje, Präsident Landwirtschaftskammer in Niedersachsen und Claus-Jürgen Schillmann, Vorstandsmitglied im Geopark-Trägerverein und ehemaliger Baudirektor im Landkreis Wolfenbüttel hinzu. Schwetje begrüßte den konstruktiven und integrativen Ansatz der Veranstaltung und erläuterte am Beispiel des „Niedersächsischen Weges“ wie wichtig gemeinsame Lösungsansätze zur Bewältigung der Klimakrise sind.  Es sei wichtig, nicht aus dem Auge zu verlieren, dass Landwirte in ihren Betrieben einen auskömmlichen Gewinn erwirtschaften müssen, damit sie die Ernährung der Bevölkerung und die Pflege der Landschaft nachhaltig leisten können. Die Diskussionsrunde war sich einig, dass Klimaschutzmaßnahmen in der Landschaft, wie zum Beispiel die Umstellung auf Agroforstwirtschaft, auch finanzielle Ausgleichsmaßnahmen erfordern. Aber, so fragte Schwetje, ist die Klimakrise nicht mindestens so bedrohlich wie die Coronakrise, für die Milliarden Euro ausgegeben werden? Und sind die hier skizzierten Maßnahmen gegen den Klimawandel nicht mindestens ebenso förderwürdig wie Windparks und Elektro-Mobilität? Schillmann plädierte dafür, mit schnell umsetzbaren Teilprojekten voranzugehen und sich nicht in Grundsatz-Diskussionen für die ganz großen Lösungen zu verzetteln. Der Geopark hat mit dieser Methode und seiner Netzwerk-Arbeit in den vergangenen Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht.

In ihrem Schlusswort bedankte sich Christiana Steinbrügge bei allen Teilnehmer*innen und resümierte, dass es sinnvoll sei, diesen fruchtbaren Austausch zwischen Wissenschaft, Verbänden, Politik, Verwaltung und Bürgern zum Schlüsselthema Wasser unter dem Dach des Geoparks fortzuführen.

Die Ergebnisse und Vorträge der Veranstaltung werden im zweiten Band der Geopark-Schriftenreihe „GAUSSIANA“ als frei downloadbare Zusammenfassung erscheinen.

7. September 2021

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