{"id":18314,"date":"2021-08-02T10:11:01","date_gmt":"2021-08-02T08:11:01","guid":{"rendered":"https:\/\/geopark-hblo.de\/?p=18314"},"modified":"2021-08-02T10:11:02","modified_gmt":"2021-08-02T08:11:02","slug":"goldener-nagel-eingeschlagen-steinbruch-bei-salzgitter-wird-weltweiter-geologischer-referenzpunkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geopark-hblo.de\/en\/2021\/08\/02\/goldener-nagel-eingeschlagen-steinbruch-bei-salzgitter-wird-weltweiter-geologischer-referenzpunkt\/","title":{"rendered":"\u201eGoldener Nagel\u201c eingeschlagen: Steinbruch bei Salzgitter wird weltweiter geologischer Referenzpunkt"},"content":{"rendered":"<p><em>Forscherteam mit Beteiligung der Goethe-Universit\u00e4t schl\u00e4gt erfolgreich ehemaligen Steinbruch in Niedersachsen als Global Stratotype Section and Point vor<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Wissenschaftsteam der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt, der Universit\u00e4t Warschau, des Landesamtes f\u00fcr Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in , Hannover, und weiterer Institutionen hat in Salzgitter-Salder das gefunden, wonach Forscher mehr als 20 Jahre lang weltweit gesucht haben: Eine geologische Formation, die perfekt den \u00dcbergang der Kreidezeitalter Turon und Coniac abbildet. Das Team hat den ehemaligen Kalksteinbruch so genau charakterisiert, dass er nun als weltweiter Referenzpunkt f\u00fcr die Zeitenwende vor 89,4 Millionen Jahren gilt. Dies wurde von der International Union of Geological Sciences bekannt gegeben, die dem Schichtenprofil den Titel \u201eGlobal Stratotype Section and Point\u201c (GSSP) verlieh.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>FRANKFURT\/HANNOVER. Das internationale Team von Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftlern um Prof. Silke Voigt von der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt, Prof. Ireneusz Walaszczyk von der Universit\u00e4t Warschau und Dr. Andr\u00e9 Bornemann vom Landesamt f\u00fcr Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) haben 40 Meter der geologischen Schichtenfolge im ehemaligen Kalksteinbruch am Hasselberg eingehend untersucht. Dabei stellten die Forscherinnen und Forscher fest, dass nur hier der \u00dcbergang zwischen Turon und Coniac l\u00fcckenlos ist und daher eine perfekte Gesteinsabfolge darstellt, um Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftlern aus aller Welt als Referenz f\u00fcr deren Forschung zu dienen \u2013 als \u201eGlobal Stratotype Section and Point\u201c oder, im Jargon der Geowissenschaften, als \u201egoldener Nagel\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Coniac treten bestimmte Muschelarten auf, so genannte Inoceramen, die in Salder zahlreich zu finden sind. In Schicht 46 des Steinbruchs, so stellte das deutsch-polnische Wissenschaftsteam fest, findet sich erstmals die Inoceramen-Art <em>Cremnoceramus deformis erectus<\/em> und markiert damit die Zeitengrenze, ebenso wie weitere Mikrofossilien und eine charakteristische \u00c4nderung im Verh\u00e4ltnis der Kohlenstoffisotope 12C und 13C, eine so genannte negative Anomalie im Kohlenstoffkreislauf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDamit k\u00f6nnen nun geologische Schichtenprofile wie zum Beispiel marine Schelfsedimente in Mexiko oder der Tiefsee im tropischen Atlantik miteinander verglichen und zeitlich eingeordnet werden\u201c, erl\u00e4utert Prof. Silke Voigt. \u201eDies ist wichtig, um auch bei unvollst\u00e4ndigen Schichtenprofilen eine genaue zeitliche Einordnung vornehmen zu k\u00f6nnen und letztlich zu sehen, wie zum Beispiel das Klima zu einem bestimmten Zeitpunkt der Vergangenheit an verschiedenen Orten der Welt beschaffen war.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Ireneusz Walaszczyk sagt: \u201eDie Schichtenfolge in Salzgitter-Salder konnte sich gegen\u00fcber anderen Kandidaten zum Beispiel in den USA, in Indien, Madagaskar, Neuseeland und Polen durchsetzen, weil wir hier \u00fcber 40 Meter eine perfekte Gesteinsschichtenabfolge haben die eine gut definiertes Abbild der Ereignisse darstellen, die in diesem geologischen Zeitintervall stattgefunden haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eDas Zechsteinmeer hat vor mehr als 250 Millionen Jahren m\u00e4chtige Salzschichten im norddeutschen Becken hinterlassen\u201c, erkl\u00e4rt Andr\u00e9 Bornemann. \u201eDie sp\u00e4ter abgelagerten Gesteinsschichten \u00fcbten Druck auf diese Salzschichten aus, die sich zum Teil zu gro\u00dfen Salzst\u00f6cken aufw\u00f6lbten und damit j\u00fcngere Schichten deformierten. In der N\u00e4he eines solchen Salzstocks liegt Salder, sodass hier die fossilreichen Gesteinsschichten der Kreidezeit steil aufgerichtet sind und ein wunderbares, f\u00fcr wissenschaftliche Untersuchungen sehr gut zug\u00e4ngliches Profil ergeben. Daher haben wir vom LBEG diesen Ort als Geotop ausgewiesen, und dieser ist einer der bedeutendsten Geopunkte des UNESCO Geoparks Harz-Braunschweiger Land-Ostfalen.\u201c &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hintergrund:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Kalksteinbruch am Hasselberg bei Salder im Nordosten des Salzgitterschen H\u00f6henzuges wurden fr\u00fcher Kalksteine und Mergel f\u00fcr die Zementindustrie und zum Schluss f\u00fcr die Erzaufbereitung abgebaut. Heute befindet sich dort ein bekanntes Biotop und Geotop als Eigentum der Stiftung Naturlandschaft, die vom BUND-Landesverband Niedersachsen eingerichtet wurde. W\u00e4hrend die Betreuung des Steinbruchgel\u00e4ndes der Kreisgruppe Salzgitter des BUND \u00fcbertragen wurde, k\u00fcmmert sich der UNESCO Geopark Harz-Braunschweiger Land-Ostfalen um den geowissenschaftlichen Part des Steinbruchs. Der Steinbruch ist aus Naturschutzgr\u00fcnden nicht frei zug\u00e4nglich, aber es werden gelegentlich gef\u00fchrte Wanderungen angeboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor 90 Millionen Jahren, in der zweiten H\u00e4lfte der Kreide, war es tropisch warm auf der Erde: Die eisfreien Pole sorgten f\u00fcr einen hohen Meeresspiegel, Mitteleuropa bestand aus einer Schar von Inseln. Im Meer entwickelten Ammoniten eine ungeheure Formenvielfalt, an Land herrschten die Dinosaurier. Die ersten Bl\u00fctenpflanzen begannen, Schachtelhalmen und Farnen Konkurrenz zu machen. Vor 89,39 Millionen Jahren fing das Klima an, sich leicht abzuk\u00fchlen und der Meeresspiegel von seinem H\u00f6chststand etwas zu sinken: Ein neuer erdgeschichtlicher Abschnitt, das Zeitalter Coniac, l\u00f6ste das Zeitalter Turon ab.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Publikation: <\/strong>Voigt S, P\u00fcttmann T, Mutterlose J, Bornemann A, Jarvis I, Pearce M, Walaszczyk, I (2021) Reassessment of the Salzgitter-Salder section as a potential stratotype for the Turonian\u2013Coniacian Boundary: stable carbon isotopes and cyclostratigraphy constrained by nannofossils and palynology. Newsl Stratigr, 54\/2, 209\u2013228, doi: 10.1127\/nos\/2020\/0615. <\/p>\n\n\n\n<p>Walaszczyk, I.,\u010cech, S., Crampton, J.S., Dubicka, Z., Ifrim, C.,Jarvis, I., Kennedy, W.J.,Lees, J.A., Lodowski, D., Pearce, M. Peryt, D.,Sageman, B., Schi\u00f8ler, P.,Todes, J.,Uli\u010dn\u00fd, D.,Voigt, S., Wiese, F., With contributions by, Linnert, C., P\u00fcttmann, T., and Toshimitsu, S. (2021) The Global Boundary Stratotype Section and Point (GSSP) for the base of the Coniacian Stage (Salzgitter-Salder, Germany) and its auxiliary sections (S\u0142upia Nadbrze\u017cna, central Poland; St\u0159ele\u010d, Czech Republic; and El Rosario, NE Mexico). Episodes.<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/geopark-hblo.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Kreidekalksteinbruch-Salder_1.jpg\" target=\"_blank\">Kreidekalksteinbruch Salder Foto 1<\/a>                     <a href=\"https:\/\/geopark-hblo.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Kreidekalksteinbruch-Salder_2.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kreidekalksteinbruch Salder Foto 2<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"excerpt\">Forscherteam mit Beteiligung der Goethe-Universit\u00e4t schl\u00e4gt erfolgreich ehemaligen Steinbruch in Niedersachsen als Global Stratotype Section and Point vor Ein Wissenschaftsteam der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt, der Universit\u00e4t Warschau, des Landesamtes f\u00fcr Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in , Hannover, und weiterer Institutionen hat in Salzgitter-Salder das gefunden, wonach Forscher mehr als 20 Jahre lang weltweit gesucht haben: [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":2,"featured_media":18315,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[373],"tags":[],"class_list":["post-18314","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-information-2"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/geopark-hblo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18314","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/geopark-hblo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/geopark-hblo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geopark-hblo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geopark-hblo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18314"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/geopark-hblo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18314\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18331,"href":"https:\/\/geopark-hblo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18314\/revisions\/18331"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geopark-hblo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18315"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/geopark-hblo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18314"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/geopark-hblo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18314"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/geopark-hblo.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18314"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}