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18. Februar 2026

Minister Tonne informierte sich über den Geopark

Von der Unesco ausgezeichnet: Das Peiner Land ist geologisch etwas ganz Besonderes

Von Kerstin Wosnitza

Lengede, 21. Januar 2026

Meere kamen und gingen, Gebirge hoben sich, Salz schob sich aus der Tiefe an die Oberfläche:
Was heute als abwechslungsreiche Kulturlandschaft erscheint, ist das Ergebnis gewaltiger geologischer Prozesse. Der Geopark Braunschweiger Land, zu dem Teile des Landkreises Peine gehören, verbindet diese erdgeschichtlichen Zeugnisse mit archäologischen Funden, historischen Orten und moderner Umweltbildung. Die Region gehört zu den bedeutendsten Geolandschaften Deutschlands. Das wurde von der UNESCO anerkannt.
Seit dem 1. Januar 2023 ist die Gemeinde Lengede Mitglied im UNESCO Global Geopark Harz, Braunschweiger Land, Ostfalen. Dieser erstreckt sich auf insgesamt fast 10.000 Quadratkilometer zwischen Harz und Heide und ist in zwei Untergebiete aufgeteilt.
Lengede, vertreten durch Bürgermeisterin Maren Kleinschmidt (SPD), war jetzt Gastgeber für eine Sitzung des Trägervereins für das nördliche Teilgebiet Braunschweiger Land, die im Museum zum „Wunder von Lengede“ stattfand.
Neben den Vertretern anderer Mitgliedskommunen wie Schöningen, Cremlingen, Wolfsburg, Grasleben und dem Landkreis Peine sowie Mitarbeitenden der Geopark-Geschäftsstelle in Königslutter war auch der niedersächsische Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) gekommen.
Der Minister informierte sich über die Aufgaben und die Bedeutung des Geoparks sowie über die Sorgen und Nöte der Handelnden. Dabei ging es unter anderem auch ums Geld. „Zwar zahlt jede Gebietskörperschaft einen gewissen Beitrag. Insgesamt kommen wir aus diesem Topf auf rund 250.000 Euro im Jahr“, erklärte die Vorsitzende des Trägervereins, Wolfenbüttels Landrätin Christiana Steinbrügge (SPD).
Von diesem Geld würden 80 Prozent für fixe Kosten eingesetzt – viel Spielraum für Projekte bleibe also nicht. Deshalb sei Fördergeld von großer Bedeutung. Minister Tonne zeigte Verständnis und machte deutlich, dass der Zeitpunkt, sich politisch einzubringen, derzeit günstig sei:
„Jetzt beginnt die Debatte für das Haushaltsjahr 2027/2028.“
Zudem wies er auf neue Richtlinien für die Tourismusförderung hin, von denen der Geopark profitieren könnte. Gleichzeitig dämpfte er jedoch die Hoffnungen auf umfangreiche finanzielle Unterstützung, da der Spielraum der Landesregierung begrenzt sei.

Hintergrundinformationen zum Geopark gab es vom Leiter der Geschäftsstelle in Königslutter am Elm, Dr. Henning Zellmer. Er beantwortete unter anderem folgende Fragen:

Was ist eigentlich ein Geopark?
2015 hat die UNESCO mit den UNESCO Global Geoparks neben dem Welterbe und den Biosphärenreservaten eine weitere Kategorie geschaffen. Voraussetzung für die Auszeichnung ist ein erdgeschichtlich überregional bedeutendes Gebiet. Dieses enthält zudem archäologische, historische und kulturelle Objekte, die eng mit den natürlichen Ressourcen verknüpft sind.
Im Mittelpunkt steht der Mensch in seiner Wechselwirkung mit Landschaft und Bodenschätzen. Der Anspruch an Geoparks ist hoch: Der Titel wird jeweils nur für vier Jahre verliehen und muss anschließend durch eine erneute, aufwendige Bewerbung bestätigt werden.

Welche Aufgaben erfüllen Geoparks?
Ein Geopark dient der nachhaltigen regionalen Entwicklung. Aufgabe ist es, bestehende Einrichtungen zu vernetzen und gemeinsame Aktivitäten im Geotopschutz, im Freizeit- und Tourismusbereich sowie in der Umweltbildung und der wissenschaftlichen Forschung anzustoßen und umzusetzen.

Wie viele Geoparks gibt es?
Weltweit existieren 229 Geoparks in 50 Ländern.
109 davon liegen in Europa, acht in Deutschland, davon wiederum zwei in Niedersachsen. Der Geopark Harz, Braunschweiger Land, Ostfalen ist mit fast 10.000 Quadratkilometern Fläche der größte Geopark Deutschlands und der zweitgrößte weltweit. Rund 1,2 Millionen Menschen leben in seinem Gebiet.

Welche Bedeutung hat der Geopark Braunschweiger Land?
Die Geschichte der Menschen war stets eng mit Landschaft und Ressourcen verbunden. Für unsere Region heißt das: Die ersten Ackerbaukulturen haben wegen der Lössböden in unserer Region gesiedelt, die romanischen Bauwerke wären ohne den Muschelkalk und Rogenstein und ohne Kupfer, Blei, Zink und Silber im Harz nicht in ihrer Pracht entstanden. Ohne das Eisenerz in Salzgitter und Peine hätte sich dort keine Stahlindustrie entwickelt und nachfolgend auch nicht Volkswagen. Die Beziehungen reichen bis in die Gegenwart: Ohne die stillgelegten Bergwerke gäbe es nicht die teilweise höchst problematischen Atommülllager im Braunschweiger Land.

Wie profitiert die Bevölkerung vom Geopark?
Geoparks informieren über diese Zusammenhänge im Freizeit- und Tourismusbereich sowie in Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen. Ein zentraler Nutzen liegt in der Wissensvermittlung. Durch Lehrpfade, Informationszentren, Führungen und Bildungsprogramme machen Geoparks Erdgeschichte verständlich und zugänglich. Sie leisten einen Beitrag zum Natur- und Umweltschutz und entfalten zugleich wirtschaftliche Wirkung, indem sie sanften Tourismus stärken und neue Angebote schaffen.
Für die Bevölkerung vor Ort bieten Geoparks Identifikation und Orientierung. Durch die enge Zusammenarbeit mit Gemeinden, Landkreisen und Städten sind sie fest in den Regionen verankert.

Text: Kerstin Wosnitza, Peiner Allgemeine Zeitung, 17.01.2026
Foto: ©Ralf Büchler


18. Februar 2026

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